Monika Hausammann alias Frank Jordan: Wenn ein Thriller Realität wird

Monika Hausammann Podcast

Dominik Klenk spricht mit Schweizer Autorin Monika Hausammann. Sie reden über politische Dynamiken in Europa, über Geheimagenten und Wildschweinjäger und wir hören einen Ausschnitt aus ihrem Buch. Die Journalistin hat unter dem Pseudonym Frank Jordan schon mehrere Romane geschrieben, darunter ihren jüngsten Politthriller «Ares».

Dominik: Du lebst in Frankreich auf dem Land und hast, wenn ich das richtig verstehe, vor allem Zeit zum Lesen und zum Schreiben. Wenn man deine Bücher liest, insbesondere deine Romane, dann hat man eigentlich das Gefühl, dass du in den Großstädten der Welt zuhause bist. Wie kannst du solche Bilder aus dem politischen Leben – dort, wo man meint, die großen Entscheidungen der Mächtigen werden getroffen – abbilden, wenn du eigentlich in einer ganz anderen Welt zuhause bist?

Monika: Da kommen mehrere Punkte zusammen. Zum einen, weil ich Großstädte besucht habe und auch in Großstädten gelebt habe, bevor ich hier hergezogen bin. Zum anderen, weil ich unglaublich viel recherchiere. 2/3 eines Buches ist schlicht Recherche. Das bedeutet Kartenstudium und Dokumentarfilme zu den entsprechenden Ländern etc. Und was mir fehlt, das erfinde ich.

Großartig. Du nimmst dir das Privileg heraus, Wirklichkeit zu erschaffen?

Genau. Oder auch mal Dinge umzusetzen, die mir nicht passen. Zum Beispiel wenn das Gebäude nicht dort passt, wo es ist, dann nehme ich es nach vorne an die Straße.

Könnte ein kleiner Zustrom, der es am Ende ausmacht, Schriftsteller zu sein, darin liegen, dass man die Wirklichkeit so weit ablegen kann, um zu sagen: Jetzt schaffe ich ein stückweit davon selber?

Ich war immer ein unglaublicher Tagträumer. Auto fahren, Bahn fahren oder Bus fahren war für mich immer das Schönste, weil ich wusste, dass ich legitimiert Dinge in meinem Kopf erschaffen kann und nachdenken kann. Von daher ist das schon schön! Ich muss lachen, weil mein Wirkungsradius in meiner kleinen Ecke der Welt denkbar klein ist. Ich bin trotzdem am Abend vollkommen erschöpft, weil ich unglaublich viel in meinem Gehirn erlebt habe. Die Qualität ist aber nicht zwingend intensiver in der Wirklichkeit oder im Gehirn.

Du hast in deinen Romanen nicht nur die richtigen Straßennamen, sondern man fühlt auch noch, wie groß die Gebäude sind und wo der nächste Durchgang ist in die U-Bahn. Man ist mittendrin. Du schaffst es, diese Karte in unsere Köpfe zu implantieren, obwohl du selber möglicherweise in diesem Moment gar nicht da bist.

Ja. Ich weiß, ich schreibe gut in meinen Augen, wenn ich da bin. Wenn ich einen Roman schreibe, dann bin ich für die Zeit, in der ich schreibe, weg. Darum sehe ich immer rot, wenn Menschen das nicht begreifen wollen. Da bin ich furchtbar herrisch, dass ich dann sage: «Nee, du. Ich schließ die Tür ab und werf den Schlüssel weg» – weil mich dann keiner stören darf. Ich bin dann fort, ich bin nicht da. Das ist die Bedingung, dass ich dann abends das Gefühl habe: Du hast einen guten Job gemacht! Weil du warst dort, du hast mit den Menschen dort gelebt.

Das ist dir wunderbar gelungen in dem neuen Thriller «Ares», den du geschrieben hast. Es ist ein Politthriller und eine Liebesgeschichte gehört auch dazu. Es ist ein Buch, das nicht nur einen actionmäßigen Rahmen hat, sondern auch einen starken politischen Impact hat. Was fasziniert dich darin, das politische Leben in diese Weise zu dynamisieren in deinen Büchern?

Der Hintergrund der Geschichte ist in meinen Roman immer ein Ähnlicher, und zwar jener, dass ich sage, dass die stärkste Droge oder das gefährlichste Gift der Welt Macht ist. Macht ist immer nur dort möglich, wo auf der einen Seite ganz normale Menschen wie du und ich den Willen zur Macht haben, und auf der anderen Seite eine große Anzahl Menschen ihre Ermächtigung zur Freiheit an die anderen abgeben. Wir sprechen an diesen Tagen wieder viel von Demokratie. Das würde im landläufigen Sinne «Die Herrschaft des Volkes» bedeuten. Die Leute merken, dass sich die Herrschaftsform verschoben hat. Da ist eine andere Herrschaft. Das ist brandaktuell. Wo die Herrschaftsverhältnisse sich verschieben und wo ganz normale Menschen sich anmaßen, über andere Menschen zu herrschen – sei es durch Krisen oder durch andere Ereignisse – dort ist immer Vorsicht geboten, weil die Freiheit dort gefährdet ist. Ich meine damit die Freiheit der Ermächtigung der Verantwortlichkeit des Einzelnen. Dass wir uns dann plötzlich zu obrigkeitlich Betreuten, in Obhut genommenen Wesen entwickeln. Das ist gefährlich. Dem versuche ich immer wieder auf den Grund zu gehen, in dem ich die Frage stelle: Was braucht es jetzt, damit die Macht, die der Staat oder die Politik bereits hat, ausgebaut und größer werden kann? Und was braucht es, damit die Leute bereit sind, den Rest an Freiheit, den sie noch haben, auch noch abzugeben? Das sind die groben Tendenzen und da gibt es mehr oder minder schmutzige Intrigen, die dazu führen.

Im Hintergrund dessen, was wir lesen, liegt deine Sorge und deine Analyse über das, was du im Land, in Europa und in der Welt siehst, vom «Ideal einer demokratischen Gesellschaft» hin zu einer Machtverschiebung, in der auch supranationale oder nicht unbedingt demokratisch gewählte Organisationen und Akteure auftreten, die immer stärker in das operative Leben und in die Architekturen unserer Gesellschaft eingreifen.

Unbedingt, ja. Es ist wie eine Scheren-Bewegung. Herrschaft gibt es nur dort, wo Menschen bereit sind, sich beherrschen zu lassen. Ich verweigere mich zu sagen, dass ausschließlich die Politik oder die supranationalen Organisationen Schuld sind, obschon sie zur Scherenbewegung beitragen. Auf der anderen Seite wird unter dem Label der Befreiung von Pflicht und Verantwortung diese Macht übertragen von den Leuten. Das ist eine gefährliche, ungesunde Entwicklung.

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