He's the reason for the season: Jesus

Am Weihnachtsfest geht es um Jesus – seine Geburt, sein Menschwerden und seine Botschaft, die verkündet wird in aller Welt. Jesus schreibt Geschichte, die nicht leer zurückkommt, sondern große Wellen der Liebe schlägt. Diese Wellen hat Markus Spieker in einer dicken Biografie niedergeschrieben. Ein Auszug.

Der Weg nach Bethlehem führt vorbei an Jerusalem.

Dort herrscht gerade der blanke Terror.

Herodes ist schwer krank und lässt jeden potentiellen Rivalen aus dem Weg räumen. Er säubert regelmäßig seinen eigenen Hofstaat, sogar seine Familie. Hinrichtungen sind an der Tagesordnung. Es kann jeden treffen, der in Verdacht gerät, nicht ganz loyal zum König zu stehen. Das Klima in der Stadt und in ganz Judäa ist so unbeschwert und besinnlich wie in Paris während des jakobinischen Terrors der Französischen Revolution oder in Moskau während der stalinistischen Säuberungen ...

Gerade die Feierlichkeiten und Prachtbauten, die Herodes im Rest der Welt viel Bewunderung einbringen, sorgen bei den überwiegend bodenständigen Juden für Verbitterung. Schließlich müssen sie einen Großteil davon zahlen. Auch verübeln sie Herodes, dass er in seinen griechisch-römisch orientierten Städten mehrere Tempel für fremde Gottheiten baut.

Herodes reagiert mit Repression. Er hat in den Jahren vor seinem Tod einen regelrechten Polizei- und Spitzelstaat errichtet. Die Verhältnisse, die Josephus schildert, erinnern an den Alltag in modernen totalitären Staaten: «Einen Aufruhr suchte Herodes dadurch zu vereiteln, dass er seinen Untertanen jede Gelegenheit dazu nahm und sie zu beständiger Arbeit anhielt. Auch verbot er den Bürgern alle Zusammenkünfte, öffentliche wie geheime, und stellte überall Spione an. Wurde jemand bei Übertretungen ertappt, so bestrafte er ihn streng.»

In den Jahren vor seinem Tod drehte sich die Abwärtsspirale immer schneller. Dabei hatte er kurz zuvor noch auf dem Zenit seiner Macht gestanden. Er galt als Lieblingsverbündeter des Augustus und als zweitmächtigster Mann im Mittelmeerraum. Er finanzierte die Olympischen Spiele, war so etwas wie der informelle Präsident eines antiken «Internationalen Olympischen Komitees» und feierte seine Neugründung Cäsarea mit einem rauschenden Fest: Es gab Musikwettbewerbe, Sportdarbietungen, Pferderennen, Gladiatorenkämpfe.

Jesus. Eine Weltgeschichte
Sieben Jahre hat Markus Spieker an seinem monumentalen Jesus-Buch gearbeitet. Nun legt er eine Christus-Biografie vor, wie es noch keine gab. Auf über 1.000 Seiten erzählt er die Geschichte von Jesus als welthistorisches Epos: von den Anfängen der Zivilisation bis hin zur Corona-Krise....
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Herodes bemühte sich laut Josephus, «alles zu überbieten, was früher in dieser Hinsicht geleistet worden sei». Augustus soll das Superlativ-Spektakel mit den Worten kommentiert haben, das Reich des Herodes sei für dessen Prachtliebe offenbar zu klein, es müssten eigentlich noch Syrien und Ägypten hinzukommen.

Anscheinend wird ihm sein Handlanger allmählich zu unabhängig und eigensinnig ...

Herodes plagt die Sorge, welcher seiner übriggebliebenen Söhne ihn beerben soll. Er kennt die Hoffnungen frommer Juden, die auf einen Messias warten. Doch wenn es schon so eine Erlöserfigur gibt, dann soll diese wenigstens aus seiner eigenen Familie kommen.

Während Maria und Josef nach Süden marschieren, ahnen sie nicht, dass ihr ungeborener Sohn dieselbe Route auf dem Weg zu seiner Passion gehen wird.

Bereits der Weg nach Bethlehem hat es in sich. Er führt durch das gefährliche Samariterland, wo es regelmäßig zu Überfällen kommt. Kurz vor Jerusalem geht es steil hinauf, die «Stadt des Friedens» liegt 800 Meter über dem Meeresspiegel. Die beiden Jungverheirateten treffen auf andere Reisende, passen aber auf, dass sie im Gespräch nicht zu viel von sich preisgeben. Denn Herodes hat überall seine Spione. «Überall, in der Stadt wie auf den Landstraßen», berichtet Josephus, «gab es bestimmte Menschen, die alle Zusammenkünfte auszuforschen suchten.»

«Die frohe Botschaft von Jesus hat Weite, Farbe und Fülle in die Welt gebracht.»

Die jüdische Hauptstadt, der sie sich nähern, hat sich in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Aus der beschaulichen Bergstadt ist die Glitzermetropole des Nahen Ostens geworden. Der Tempel ist von weitem sichtbar. Aber Maria und Josef schlängeln sich nicht durch die mit Pilgern, Handwerkern, Priestern, Hofbürokraten gefüllte Stadt. Sie umgehen Jerusalem, steuern das zehn Kilometer südlich liegende Bethlehem an. Von weitem sehen sie die vier hohen Türme des neuen Herodes-Palasts, des «Herodions».

 

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