Das therapeutische Kalifat



Das therapeutische Kalifat

Meinungsdiktatur im Namen des Fortschritts

CHF 10.80 *


Lieferbar




Beschreibung

Es ist eine Binsenweisheit, dass die Eliten den öffentlichen Diskurs in Medien, Kultur und Politik dominieren. Immer öfter agieren sie jedoch mit dem moralischen Anspruch von Volkstherapeuten, die alle zum friedlichen Zusammenleben erziehen wollen. Unmerklich hat sich in Westeuropa auf diese Weise ein therapeutisches Kalifat etabliert: Wer mit seinen Ansichten von der verordneten Therapie abweicht, muss mit Sanktionen rechnen. Schliesslich wollen die Eliten die Wahrheit alleine definieren. So ist ein neuer Klassenkampf zwischen "Therapeuten" und "Patienten" in unseren Breitengraden entstanden.

Feinsinnig und mutig skizziert der Schriftsteller Giuseppe Gracia die "öffentliche Patientenverordnung" in Medien und Politik und plädiert für einen zivilen Ungehorsam und den Mut zum Widerspruch.
  • Artikel-Nr. 204159
  • |
  • ISBN/EAN: 9783038481591
  • |
  • Erschienen/Erfasst: 20-09-2018
  • |
  • Auflage: 2.
  • |
  • Format: 13 x 19 cm
  • |
  • Seiten: 64
  • |
  • Sprache: Deutsch
  • |
  • Einband: Klappenbroschur
  • |
  • Verlag: Fontis - Brunnen Basel
  • |
  • Versandgewicht: 96 g
  • |
  • Abmessung: 130 x 190 x 6 mm

Leseprobe

 

Video

Rezensionen

Anzahl der Bewertungen: 2 | Durchschnittliche Bewertung: 3

13.12.2018

Viele Schlagwörter, wenig neue Einsichten

Ach, hätte sich der Autor des Büchleins „Das therapeutische Kalifat“ doch mehr an seinen eigenen Vorschlägen orientiert. Die drei praktischen Tipps am Ende des Aufsatzes (der eigentlich ein erweiterter Feuilleton-Artikel ist) sind nämlich gar nicht schlecht. 1. Dem eigenen Zeugnis vertrauen, das heisst auf die „positive Strahlkraft des konkreten Lebens“ (S. 40) setzen. 2. Öffentlich mitreden, und zwar sachlich-argumentativ. Und 3. Nicht moralisieren.

Womit nicht gesagt ist, dass das Buch keine richtigen Erkenntnisse enthält. Schlagwortartig reiht Gracia Beobachtungen aneinander und spart dabei nicht mit Buzzwords der Gegenwart. Ja, die Political Correctness nimmt überhand. Ja, öffentliche Widerrede wird schnell als „Mikroaggression“ diskreditiert. Bei Themen wie Islam, Abtreibung und Migration wird häufig mit spitzen Fingern angefasst, wer eine andere als die Mehrheitsmeinung vertritt. Was fehlt sind allerdings konkrete Belege für eine Verengung des Meinungskorridors, die eine neue Diskussionsgrundlage schaffen würden.

Auf dünner Basis baut der Autor sodann seine These eines „therapeutischen Kalifats“ auf, nach der „die Eliten“ in Politik, Gesellschaft und Medien die Bürger als Patienten betrachten, denen die richtige Meinung wie eine Medizin eingeträufelt werden muss. Nur: Dieses Phänomen ist weder neu, noch ist es auf eine Weltanschauung beschränkt. In den Sechzigerjahren waren konservative Ansichten (oder was man dafür gehalten hat) konsensfähig und Abweichler (lange Haare) wurden pathologisiert. Genauso ist es in islamisch geprägten oder kommunistischen Gesellschaften. Heute ist in der westlichen Gesellschaft der wirkmächtige Mainstream eben linksliberal.

Inhaltlich bietet Gracia nichts Neues über das hinaus, was in zahllosen Artikeln und z.B. von Thilo Sarrazin (Der neue Tugendterror) schon beschrieben wurde. Sicherlich ist man als Christ, der skeptisch gegenüber dem Islam ist, die klassische Kernfamilie hochhält und Abtreibung nicht einfach als Frage persönlicher Wahl ansieht, in der Minderheit. Aber dagegen hilft doch nur konkretes Anleben und Argumentieren (siehe oben) und kein kläglicher Opferdiskurs. Denn: es gibt in Europa weder eine Elitenverschwörung noch eine „Meinungsdiktatur“, wie der Untertitel sagt.

26.11.2018

Ein Buch, das herausfordert!

"Kalifat" klingt nach Islam. Im Lexikon lese ich: "Als Kalifat bezeichnet man die Herrschaft, das Amt oder das Reich eines Kalifen, also eines 'Nachfolgers' oder 'Stellvertreters des Gesandten Gottes'. Es stellt somit eine islamische Regierungsform dar, bei der die weltliche und die geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind."
Der Titel könnte in die Irre führen, denn es geht in diesem Buch nicht um den Islam. Aber die Kombination von "weltlicher und geistlicher Führerschaft" in einer Person kommt dem Anliegen des Buches schon näher. Es ist ein kleines Buch (nur 63 Seiten), hat aber Sprengkraft! Der Versuch, das Diktat der "Mehrheitsmeinung" zu erkennen und nach Wegen zu suchen, wie man es unterlaufen kann. Unmerklich hat sich in den letzten Jahren in den westlichen Ländern eine neue Art von Intoleranz etabliert, die den Medien ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Es wird nicht mehr nur informiert, es wird manipuliert, ohne dass es zunächst auffällt. Und wer mit eigenen Ansichten von der verordneten Linie abweicht, muss mit Sanktionen rechnen.
Gracia, selbst Journalist, macht in diesem Buch auf die zunehmend manipulative Art der Berichterstattung aufmerksam und belegt dies mit aktuellen Beispielen. Er sieht die Gefahr der Mächtigen, das Interpretieren von Ereignissen (nicht die Information selbst!) als Machtinstrument zu missbrauchen. Die Frage, was wahr oder richtig ist, wird nicht mehr gestellt. Es geht lediglich um die Tatsache, eine Meinung zu etablieren, der man nicht ungestraft widersprechen sollte. Nicht gute oder schlechte Argumente zählen, es geht um gute oder schlechte Menschen. Eine Folge dieses Meinungsdiktates ist, dass heute immer weniger Menschen, die mit dem Mainstream nicht einverstanden sind, öffentlich überhaupt noch zu ihrer Meinung stehen. Gracia weigert sich, den Medien das Prägen der scheinbar herrschenden Mehrheitsmeinung kampflos zu überlassen. Auch politisch korrekte Meinungen sind für ihn keine nichthinterfragbare Selbstverständlichkeit.
Für die Bevölkerung in der Schweiz ist es normal, dass man sich in demokratischen Prozessen und Abstimmungen eine eigene Meinung bildet. Gracia fällt auf, dass dies auf europäischer Ebene nicht üblich ist. EU-Politiker fördern die direkte Demokratie nicht. Sie setzen lieber auf eine repräsentative Demokratie, in der Politiker und Funktionäre mehr Macht haben.
Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, haben auch diese Produkte gekauft

Auch diese Kategorien durchsuchen: Sachbücher Fontis Zeitgeschehen Fontis-Neuheiten
Wir nutzen Cookies, um Ihre Online-Erfahrung zu verbessern. Indem Sie unseren Shop nutzen, akzeptieren Sie unsere Cookies.